Die Hochzeit

Ist das Paar sich einig, schickt der Verlobte enge Verwandte ins Haus seiner Zukünftigen zu Besuch, die um die Hand der Tochter anhalten.

Das Hochzeitsdatum wird festgelegt und die Ausrichtung des Festes besprochen. Am Hochzeitstag bleibt der Bräutigam bei sich zu Hause und die Braut ebenfalls in ihrem Elternhaus.

 In beiden Elternhäusern wird gekocht, ein Teil des Essens wird in das Haus des Bräutigams gebracht. Die Eheschließungszeremonie findet in der Moschee oder im Hause des Bräutigams statt, zelebriert von einem Imam oder Marabout (Korangelehrter, oft mit Heilwissen) nach dem dritten Gebet in Anwesenheit der älteren Männer der Familie und des Stadtviertels. Der Bräutigam geht nicht in die Moschee, wird die Ehe zu Hause geschlossen, verbringt er diese Zeit in einem anderen Raum.
Nachdem der Imam die Gebete für die Ehe gesprochen hat, werden Kolanüsse und Säfte gereicht. Nach der Zeremonie begeben sich die Männer in das Haus der Braut, um Glück zu wünschen, später beglückwünschen sie den Bräutigam.
Im Haus der Braut besingen die weiblichen Verwandten und enge Freundinnen die Braut und legen Zeugnis ab über deren Eltern.

Am späteren Abend des Hochzeitstages besucht der Bräutigam seine junge Frau und seine Schwiegereltern.


Der rituelle Einzug beim Ehemann

Dieser Ritus findet nicht immer gleich am Hochzeitstag statt, er kann Monate später oder auch erst nach der Geburt des ersten Kindes stattfinden, dann allerdings vor dem Namensgebungsfest.
Dieses Fest findet meist nachts statt und ist mit viel Mystik verbunden. Die Frau hat ihre Koffer und ihren Hausrat gepackt. Sie sitzt im Hof auf einer Matte und ist mit einem gewebten Stück Stoff, einem Raball, verhüllt. Eine Schwester ihres Vaters, eine sog. Badjan, betet und bittet die Delegation des Ehemanns, die Frau gut zu behandeln. Die Vertreter der Schwiegerfamilie sagen dies zu und legen Zeugnis ab über beide Familien. Nach einem Gebet wird die Frau mit Gesang und Tanz zum Haus ihres Mannes begleitet, der seine Frau in ihrem gemeinsamen Zimmer auf dem Bett sitzend erwartet. Sie setzt sich ihm gegenüber und beide werden nun mit dem Raball verhüllt. Zwischen beide wird eine Schale Hirsebrei gestellt  - es gibt ein kleines Gerangel, denn derjenige, der zuerst vom Brei nimmt, hat im Haushalt später das Sagen! Natürlich geht das immer gut aus und der Mann gibt seiner Frau zuerst zu Essen. Den Rest des Breis schmiert sich das junge Paar gegenseitig ins Gesicht, ab jetzt wird fröhlich gefeiert.
Die Frau verlässt das Haus eine Woche lang nicht und arbeitet auch nicht. Nach dieser Woche besucht sie ihr Elternhaus für einen Tag.


Geburt

In der senegalesischen Kultur fragt man eine schwangere Frau nicht, in welchem Monat sie ist, wann der Geburtstermin ist und ob die werdenden Eltern das Geschlecht des Kindes bereits wissen oder welche Vornamen im Gespräch sind.
All dies ist tabu. Schwangere Frauen schützen sich und ihren Zustand mit Kleidung, die ihren Zustand verhüllt; sie tragen also weder Hosen noch eng anliegende T-Shirts.

In den Städten kommen die Kinder meist in Kliniken oder Geburtshäusern zur Welt, auf dem Land, wenn die nächste Entbindungsstation zu weit entfernt ist, werden die Babys zu Hause geboren. Mutter und Kind werden dort mit traditioneller Medizin behandelt, in den Städten mit Schulmedizin. Der junge Vater gibt die Geburt des Kindes bekannt und jeder, der über dieses erfreuliche Ereignis informiert wurde, ist damit auch zum Namensgebungsfest eingeladen.


 

Namensgebungsfest

Das Namensgebungsfest findet am achten Tag nach der Geburt statt. Der Imam kommt ins Haus und begibt sich mit dem jungen Vater, einigen männlichen Verwandten der Familie und engen Freunden ins Wohnzimmer, dort wird gebetet.
Währenddessen werden dem Baby die Haare abrasiert und es wird in ein gewebtes Baumwolltuch, einen Raball, gehüllt; dieser Stoff war zuvor durch Gebete gesegnet worden, er soll das Baby schützen. Eine enge Vertraute der jungen Eltern bringt das Kind zum Imam, dieser spricht über dem Kind Gebete und flüstert ihm seinen Namen ins rechte und ins linke Ohr. Anschließend verkündet er den Namen laut vor den Anwesenden, die das Kind reihum auf den Arm nehmen oder sich zu ihm beugen, um zu beten. Dann nennt der junge Vater den im Hof betenden Gästen den Namen.

Ein enger Vertrauter spricht auf ein großes Messer Gebete und den Namen des Kindes und tötet ein am Vortag gekauftes Schaf.

Nach der Namensgebung werden den Gästen Hirsebrei und spezielle Kekse gereicht.
Entsprechend dem Gewicht der Haare des Babys wird Silber gekauft und dieses als Opfer gespendet. Die Haare werden in einer Kalebasse mit Hirse, Kolanüssen und Reis gesammelt und mit dem Rest der Nabelschnur in einem weißen Tuch aufbewahrt. Die Traditionen sind hier sehr unterschiedlich.


 

Das Begräbnis nach islamischem Ritus

Verstirbt ein Mensch, so verkündet die trauernde Familie den Todesfall und den Begräbnistermin persönlich im Stadtviertel und über die meistgehörten Radiosender.

Der Leichnam wird auf einer Bahre zur Moschee gebracht. Dort wird der Körper gewaschen, mit Düften parfümiert und unbekleidet in einen speziellen weißen Stoff, das Perkall, gehüllt, in dem der Tote dann bestattet wird.
Die Männer der Familie und des Stadtviertels begeben sich im Boubou (traditionelles Gewand) in die Mosche zum Gebet und begleiten den Toten auf seinem letzten Weg; beerdigt wird meist gleich am Todestag. Nach der Rückkehr vom Friedhof waschen sich die Männer vor dem Haus in einer riesengroßen Schüssel die Hände – erst danach wird kondoliert mit den Worten: „ Möge die Erde ihr / ihm leicht sein und sie / er einen guten Empfang im Paradies haben.“

Vor dem Haus werden wieder ein Zelt und Stühle für die Trauergäste bereitgestellt, die Gäste werden bewirtet, es wird wenig gesprochen, die Anwesenden sitzen still in ihren wunderschönen farbenprächtigen Boubous, die Frauen tragen Schleier.

Am dritten, achten und vierzigsten Tag nach dem Tod wird im Anwesen der Familie der Koran rezitiert, gebetet und Hirsebrei gereicht. Verstirbt der Ehemann, so trägt die Witwe vier Monate und zehn Tage lang einen Schleier. Sie verbringt diese Zeit im Gebet, kocht nicht und verlässt das Haus tagsüber nicht, nur abends geht sie im Viertel spazieren.

Oft wird an jedem Todestag der Koran rezitiert, der Imam oder ein Vertreter kommt dafür ins Haus. Anschließend wird Hirsebrei gereicht. In meiner Familie findet diese Zeremonie jeweils im Monat des Todes meines Vaters statt und es wird für alle Verstorbenen meiner Familie gebetet.