Dienstag, 6. Februar 2018 

Seit zehn Tagen sind wir unterwegs, zu viert, denn unser Sohn Felix und seine Lebensgefährtin Linn sind in den Senegal gekommen. Es ist ihre erste Reise hierhin. 

Dakar, die Familie Sall, die weite afrikanische Savanne auf den Fahrten ins Sine Saloum und nach St. Louis haben sie mittlerweile kennen gelernt, doch einen Ausflug müssen wir unbedingt noch unternehmen: ins Benediktinerkloster Keur Moussa, unweit von Dakar im Landesinneren gelegen.

Gegen 15 Uhr starten wir vom Stadtteil Ngor aus – wir hatten zuvor auf der Ile de Ngor zu Mittag gegessen – nach Croisement Camberène und haben Glück: Ein  netter Fahrer bringt uns mit seinem quietschgelben Auto sogar bis zum Kloster. El Hadji Omar, Monsieur Sall hatte in seiner umsichtigen Art alles weit möglichst organisiert.

 

Es ist später Nachmittag und wir drei Toubabs kommen gerade noch rechtzeitig zur Vesper um 17.30 Uhr. In dieser Andacht fallen uns die wunderschönen Gesänge auf, die von zwei Koraspielern auf ihren Instrumenten begleitet werden. 

Und dann wird es ungewöhnlich für uns: Der Mönch Jean Paul weist uns die Zimmer zu und entscheidet, dass El Hadji Omar und Felix je in einer Mönchszelle im Kloster übernachten. Linn und ich werden zu den Schwestern im nah gelegenen Gebäude des Ordens „Soeurs pour servir aux pauvres“ gebracht, ins sog. Hotel. 

 

 

Monsieur Sall ist Moslem, er lächelt still zu allem. Es dämmert bereits, als wir Damen die Schlüssel erhalten. Jede von uns kann sich ein Zimmer im 1. Stockwerk aussuchen, alle sind gleich eingerichtet: ein schmales Bett, Tisch, Stuhl, Schrank und Nasszelle. Zu der die Schwester erklärt: Wenn der Gemüsegarten gegossen wird, kommt das Wasser bisweilen nicht bis ins erste Stockwerk.

Um 19.30 Uhr gibt es Abendessen für uns mit den Nonnen. Da sitzen wir nun mit grünem Salat, Crudités, ein paar Scheiben Wurst und Brot. Linn verzichtet auf fast alles, sie hat Bedenken wegen der Rohkost.

Nach der Devise „Cook it, peel it or forget it“ bleibt bei dieser Mahlzeit nur letzteres.

Das Wasser, es ist von hier, in Flaschen des lokalen Mineralwasserherstellers Kirène abgefüllt, schmeckt modrig und wirkt nicht sehr vertrauenserweckend. Aber nach dem Abendessen kann ich mir noch Wasser kochen und einen Liptontee trinken. 

Drei Schwestern leben hier, sie betreiben eine Ambulanz. Zwei kommen aus der Casamance, die dritte aus Frankreich lebt seit knapp 40 Jahren im Senegal.

Gegen 21 Uhr ziehen die Schwestern sich zurück, Linn und ich sitzen noch etwas auf der Veranda, lesen und unterhalten uns.

 

Wasser gibt es im Zimmer in großen Plastikbehältern, aus der Leitung kommt kein Tropfen. Die Nacht lässt mich lange nicht schlafen: Der Wasserhahn gurgelt und schnaubt plötzlich, als wollte er das Wasser, das ich vorher gerne gehabt hätte doch noch liefern. Aber noch etwas ist sehr fremd: Die unendlich lange, rabenschwarze Nacht. Nicht ein einziger Lichtkegel, der Schatten an die Wand werfen könnte. Nur der grauenhaft schrille Schrei eines Tieres lässt mich einmal hochfahren. 

Mittwoch, 7. Februar 2018

Ab halb acht ist Frühstück hatte man uns gesagt. Ich stehe gerne früh auf, denn den schnellen Anbruch des neuen jungen Tages in der Savanne finde ich besonders schön.

Später gehen wir wieder in die Klosteranlage und dort mit unseren Männern spazieren.

Um 11.15 Uhr ist Messe und wir staunen nicht schlecht, dass ein Bischof aus Frankreich zu Besuch ist und zelebriert. Und wieder die Gesänge der Mönche, begleitet von den beiden Koraspielern. Wir erfahren, dass das Kloster Keur Moussa 1963 gegründet wurde, der letzte Mönch aus dieser Gründerzeit nimmt sogar noch an der Messe teil.    

Ein ganz besonderer Ausflug neigt sich dem Ende zu: Ein Tag in klösterlicher Abgeschiedenheit, in dem der Rhythmus von Gebet und Erledigung von Aufgaben den Alltag bestimmt. Eine CD mit Gesängen der Mönche habe ich im Gepäck, ab jetzt heißt es wieder: inch allah und alhamdulilah.

Je weiter wir uns im Wagen vom Kloster entfernen, umso gesprächiger wird Monsieur Sall. Wir drei Toubabs freuen uns und sind sehr dankbar, was El Hadji Omar in diesen zwei Tagen auf sich genommen hat, um uns etwas ganz Besonderes zu zeigen…