Freitag, 23. Januar 2015

Ein langgehegter Traum wird wahr! Im vergangenen Jahr hatten wir von dieser Reise erfahren und ich hatte mir so sehr gewünscht, sie zu unternehmen: Vor einigen Jahren hatten Hoteliers und Geschäftsleute der Region St. Louis das marode Schiff „Bou El Mogdad“ erworben, restauriert und die Kreuzfahrt entworfen.

Nun würden wir sie erleben!

Spätnachmittags kommen wir in St. Louis im Hotel „La Résidence“ an. Ich liebe dieses Hotel, denn die Einrichtung im Kolonialstil erinnert mich immer an die Comics von Tim und Struppi.

Die „Bou El Mogdad“ liegt schon am Quai und wird für die Kreuzfahrt vorbereitet.

 

 

Samstag, 24. Januar 2015

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Reisegruppe geht es aufs Schiff, die Kabinen werden verteilt. In St. Louis, das auch bekannt für sein Jazz-Festival ist, spielt Musik eine große Rolle, und zum Einstieg stimmt uns eine Musikgruppe beim Aperitif an Deck auf unsere Reise ein. Das Abendessen wird an Bord serviert.

 

Schiff

Sonntag, 25.Januar 2015

Früh am Morgen legt die „Bou El Mogdad“ ab und am Nachmittag erreichen wir das Vogelreservat „Djoudji“. In einer Piroge gleiten wir durch einige der zahlreichen Flussarme des Flusses Senegal und sehen eine Fülle verschiedener Tiere. Die Insel der Pelikane ist eine einzige Faszination: diese Quirligkeit und Geschäftigkeit tausender blütenweißer Pelikaneltern mit ihren grauen, zerzausten Jungtieren, die sich im holprig im Flug üben – es gibt da halt noch viel zu lernen.

Am Ufer haben sich zwei junge und sehr respekteinflößende Pythons in der Sonne eingeringelt. Noch nie habe ich ein Krokodilbaby gesehen, hier liegt es nah bei seiner Mutter im Wasser, die Mundwinkeln scheinbar zu einem Lächeln verzogen, von der Größe wirkt es eher wie ein Gummitier für die Badewanne.

 

 

  


Monsieur-SallMontag, 26. Januar 2015

Im Ort Richard Toll an gehen wir an Land, spazieren durch einen verwilderten Park, anschließend steht der Besuch einer Zuckerrohrplantage auf dem Programm. Ist das spannend, denke ich vorher? Plötzlich scheint ein Feuer auf dem Feld vor uns auszubrechen, doch der Ingenieur erklärt uns: Das Feld wird vor der Ernte abgebrannt, um die Schlangen und das Ungeziefer darin zu töten. Dies geschieht zum Schutz der Arbeiter, ferner kann so das Gewicht des Zuckerrohrs eindeutiger ermittelt werden.

Abends gibt’s Captains Dinner und wir Passagiere machen uns schick für die Soirée.

 

 

 

 

Dienstag, 27. Januar 2015

Ich genieße den ruhigen Vormittag auf dem gemächlich dahintuckernden Schiff. Die Passagiere, meist Franzosen, halten sich im Zwischendeck auf. Man liest, zeichnet Skizzen der vorüberziehenden Landschaft, es wird gestickt, geschreiben, manche gehen zur Massage oder und unterhalten sich. Jeder plaudert mit jedem. Die Stimmung ist beschaulich und jeder entdeckt auch das Schiff für sich. Das erinnert mich irgendwie an den Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“ - ohne den etwas anstrengenden Monsieur Hulot. Dafür mit Monsieur Sall - wie schön!

Oh, der Schiffskoch hat zwei Graupapageien in einem Käfig gleich vor dem Restaurant! Sie pfeifen, trällern und führen ihre Kunststücke vor. Es ist wie auf einem Piratenschiff – nur ohne Piraten.

In der Kombüse wird das senegalesische Nationalgericht „Thieboudien“ gekocht, das ist Reis mit Fisch, und wer es möchte, kann bei der Zubereitung mithelfen. Das mögen nicht viele, essen wollen alle später sehr gern. In einem Mangohain in der Nähe des Dorfes Dagana wird das Mittagessen landestypisch auf großen Matten serviert – ein unbeschreiblich schönes, unvergessliches Ambiente.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mittwoch, 28. Januar 2015

Wir nähern uns dem Höhepunkt der Reise für mich, dem Gebiet der nomadischen Peulh. Und legen an. Im Dorf treffen wir um den Mund tätowierte Frauen, ein wichtiges Schönheitsattribut der Peulhdamen. Die Strohhütten können jederzeit abgebaut werden, wenn das Futter für die Herden, meist Ziegen, Schafe und Rinder, nicht mehr reicht. Dann zieht die Gruppe der Peulh-Hirten mit ihren Familien weiter in diesem weitläufigen Gelände. Stolz, Anmut, Klarkeit und Würde spiegeln sich in den Gesichtern, ihrer Haltung, auch Offenheit und die Bereitwilligkeit, von sich zu erzählen, wenn man ihre Sprache beherrscht. Das schafft nur El Hadji Omar, Monsieur Sall, er kann sich mit ihnen unterhalten und mir später alles übersetzen und somit weitergeben. In der Hütte des Hellsehers kredenzt man uns beiden Tee, Attaya.

Der Besuch in diesem Dorf wird durch einen zauberhafter Abend gekrönt! Die Köche haben für uns auf einer Insel zwei Schafe an Spießen gebraten und wir alle genießen dieses Barbecue mit Coucous unter dem klaren Sternenhimmel am Fluss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 29. Januar 2015

Heute setzt sich die „Bou El Mogdad“ in Bewegung nach Podor, heiter und gelassen schnurrt sie die etwa 80 km zur letzten Station unserer Kreuzfahrt. Dörfer auf beiden Seiten des Flusses, viele Kinder, die uns auf ihren spindeldürren Beinchen hüpfend am Ufer zuwinken. Ich kann mich nicht sattsehen an der Weite der Landschaft.

Podor - Am frühen Nachmittag wirkt diese Kleinstadt wie ausgestorben und trist. Es gibt zwei Hotels - ohne Gäste, ein Gymnasium und ein verrottendes Fort. Hier sitzt auf den Stufen der Veranda ein älterer Herr. Er scheint uns zu erwarten und schnell spricht sich herum, es handelt sich um Oumar Ly, einen der senegalesischen Pioniere auf dem Gebiete der Portraitfotografie Mitte des vorigen Jahrhunderts. Jede Woche wartet er wohl auf das Schiff und erlebt, wenn die Touristen kommen, seine einstige Berühmtheit nochmal nach. Er führt Interessierte aus der Gruppe in sein Atelier. Auch ich darf mich mit ihm vor einer der seinerzeit selbstgemalten Kulissen fotografieren lassen. Es ist eine anrührende, etwas aus der Zeit gefallene Szene.

Wir setzen den Spaziergang durch den Ort fort, der sich langsam wieder belebt. Das Warenangebot ist spärlich und ärmlich, es sind Peulh, Toukouleur und Mauretanier unterwegs. Vereinzelt erinnern verblichene, vergilbte Plakate an den Auftritt von Baaba Maal vor wenigen Wochen. Baaba Maal ist ein hochverehrter Musiker der Peulh von internationalem Ruhm. Er wurde in Podor geboren und ist dieser Gegend noch sehr verbunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 30. Januar 2015

Um acht Uhr morgens verlassen wir diese Kleinstadt, die sich dem flüchtigen Besucher nicht schnell erschließt, und im Kleinbus geht es zurück nach St. Louis durch eine wie gebügelt glatte, versteppte weitläufige Savanne. Hie und da eine Ansiedlung, Zwiebelfelder, auf denen die Bauern arbeiten, und Ziegenherden mit ihrem Hirten.

St. Louis fühlt sich schon richtig groß und umtriebig an, doch erst nach der Rückkehr in die Metropole Dakar wird mir klar, was ich tief im Landesinneren zurückgelassen habe: staubige, doch kristallklare Luft, eine sandfarbene Landschaft durchsetzt von den kräftigen Farbtupfern der bunten Boubous und Kleider in einem unvergleichlichen Licht, den Blick fürs Wesentliche, da es wenig Ablenkung für Auge und Sinne gibt, rabenschwarze Nächte unter sternenwimmelndem Firmament.

 

 

 

Februar 2015